Kann man länger leben, indem man einfach bestimmte Charaktereigenschaften pflegt? Das ist die Frage, die mehrere jüngste Arbeiten in der Persönlichkeitspsychologie aufwerfen, die einen soliden statistischen Zusammenhang zwischen unserer Art zu sein und unserer Lebenserwartung bestätigen. Ohne Unsterblichkeit zu versprechen, zeichnen diese Forschungen ein recht genaues Bild des psychologischen Profils, das mit einem längeren und aktiveren Leben verbunden ist.
Eine große Studie mit fast 570.000 Personen
Forscher der University of Limerick in Irland analysierten die Daten von nahezu 570.000 Personen, die über fast sechs Millionen Personenjahre hinweg beobachtet wurden, im Rahmen einer Veröffentlichung im Journal of Personality and Social Psychology. Ihre Schlussfolgerung ist klar: Es ist die Gewissenhaftigkeit — Pflichtbewusstsein, Disziplin, Organisation, Zuverlässigkeit — die sich als der robusteste Prädiktor für Langlebigkeit unter den untersuchten großen Persönlichkeitsmerkmalen herausstellt.
Konkret haben die am besten organisierten Menschen, die ihren Verpflichtungen am treuesten nachkommen und im Alltag am diszipliniertesten sind, ein deutlich verringertes Risiko für vorzeitigen Tod im Vergleich zu anderen Profilen. Extraversion ist ebenfalls mit einer Verringerung des Sterberisikos verbunden, während ein hoher Grad an Neurotizismus — Neigung zu Ängstlichkeit, zu emotionaler Instabilität — in die entgegengesetzte Richtung wirkt und dieses Risiko erhöht. Offenheit und Verträglichkeit zeigen in dieser groß angelegten Studie keinen markanten statistischen Zusammenhang mit der Lebensdauer.
Neugier, Vorteil sardischer Hundertjähriger
Eine zweite Perspektive, dieses Mal durch eine italienische Studie der Psychologin Maria Chiara Fastame (Université de Cagliari) in einer der als „Blaue Zonen“ bekannten Gebiete Sardiniens, die für ihren hohen Anteil an Hundertjährigen berühmt sind, nuanciert dieses Bild. Beim Vergleich von 125 Erwachsenen im Alter von 71 bis 101 Jahren, von denen ein Teil in der Blauen Zone und der andere außerhalb dieser Zone lebt, heben die Forscher ein anderes Merkmal hervor: die Offenheit für Neues, also intellektuelle Neugier und die Lust, neue Dinge auszuprobieren. Dieses Merkmal, das in großen statistischen Studien zurückhaltender erscheint, scheint besonders mit einem aktiven Altern und einer besseren Lebensqualität bei älteren Menschen verbunden zu sein, jenseits der reinen Frage der Lebensdauer.
Die beiden Ansätze widersprechen sich nicht: Der eine misst das Sterberisiko in sehr großen Populationen, der andere beschäftigt sich mit der Qualität des Alterns in einem bestimmten Kontext. Zusammen deuten sie darauf hin, dass mehrere Wege zu einem langen und befriedigenden Leben führen können, ohne dass ein einziges Merkmal alles bestimmt.
Was das konkret ändert
Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass die Persönlichkeit unveränderlich ist oder dass alles bei der Geburt festgelegt wäre. Psychologen erinnern daran, dass sich bestimmte Merkmale, insbesondere die Gewissenhaftigkeit, mit dem Alter verändern und durch konkrete Gewohnheiten gestärkt werden können:
- Den Alltag mit einfachen Routinen strukturieren (Schlaf, Mahlzeiten, regelmäßige körperliche Aktivität)
- Verpflichtungen einhalten, auch kleine, um das Gefühl persönlicher Zuverlässigkeit zu stärken
- Neugier pflegen: eine neue Fähigkeit erlernen, sich für ein neues Thema interessieren
- Regelmäßige soziale Kontakte pflegen, die mit Extraversion und Wohlbefinden verbunden sind
- Stressmanagement üben, um die Auswirkungen von Neurotizismus auf die Gesundheit zu begrenzen
Die Forscher bleiben bezüglich der genauen Mechanismen vorsichtig: Die Persönlichkeit würde die Langlebigkeit vor allem indirekt beeinflussen, über Gesundheitsverhalten (Rauchen, körperliche Aktivität, medizinische Betreuung) und eine bessere Bewältigung chronischen Stresses, eher als durch einen direkten biologischen Effekt.
Irrglaube richtigstellen
Im Gegensatz zu einer verbreiteten Vorstellung reicht es nicht aus, optimistisch oder gesellig zu sein, um allein ein längeres Leben zu garantieren: In den robustesten Studien zählt vor allem die Kombination aus persönlicher Disziplin und guter emotionaler Regulierung. Diese Arbeiten gehören zur Psychologie und stimmen mit allgemeineren Befunden im Bereich Gesundheit und Medizin überein, während sie gleichzeitig in die ganzheitlichen Ansätze zu Fitness und Wohlbefinden im Alltag passen.
Häufige Fragen
Welches Persönlichkeitsmerkmal ist am stärksten mit Langlebigkeit verbunden ?
Gemäß der großen irischen Studie an nahezu 570.000 Personen steht die Gewissenhaftigkeit (Organisation, Disziplin, Pflichtbewusstsein) an erster Stelle, gefolgt von der Extraversion.
Kann sich die Persönlichkeit mit dem Alter verändern ?
Ja, Psychologen gehen davon aus, dass sich bestimmte Merkmale, insbesondere die Gewissenhaftigkeit, nicht festgelegt sind und durch Routinen und Lebensgewohnheiten im Laufe der Zeit gestärkt werden können.
Spielt Neugier eine Rolle beim Altern ?
Die in Sardinien durchgeführte Studie legt nahe, dass intellektuelle Neugier besonders bei den Hundertjährigen in langlebigen Regionen präsent ist und mit einem aktiven Altern verbunden ist, eher als mit der reinen Lebensdauer.
Quellen
- MedicalXpress — Personality traits are powerful predictors of risk of death
- 24 Matins — Vivre jusqu'à 100 ans : et si la curiosité comptait plus qu'on croit
- Psychologies.com — Ce trait de personnalité serait lié à une vie plus longue
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