Seit Jahren hat sich das Webmarketing auf eine « monde sans cookies » vorbereitet. Das ist offiziell vorbei: Im Oktober 2025 kündigte Google das Ende seines Privacy Sandbox an, des Programms, das die Drittanbieter-Cookies in Chrome und Android ersetzen sollte. Ergebnis 2026: Drittanbieter-Cookies sind im Browser weiterhin vorhanden, und es liegt nun an den Internetnutzern selbst, zu entscheiden, ob sie diese blockieren oder nicht.
Eine Kehrtwende um 180 Grad nach sechs Jahren Versprechen
2019 gestartet, sollte Privacy Sandbox eine « datenschutzfreundliche » Alternative zu Drittanbieter-Cookies bieten, ohne das Online-Werbeökosystem zu zerstören. Nach mehreren aufeinanderfolgenden Verschiebungen bestätigte Google schließlich durch Anthony Chavez, Vizepräsident des Programms, dass das Unternehmen « den aktuellen Ansatz beibehalten wird, der es den Nutzern ermöglicht, Drittanbieter-Cookies in Chrome selbst zu verwalten ». Konkret wurden zehn Technologien des Programms gestrichen: Attribution Reporting API, Protected Audience, Topics, IP Protection oder auch On-Device Personalization werden nicht mehr angeboten.
Nur drei Bausteine überleben, als ausreichend angenommen, um beibehalten zu werden: CHIPS (site-weise partitionierte Cookies), FedCM (ein sicheres, nicht verfolgendes Anmeldesystem) und Private State Tokens (ein Betrugsschutz, der nicht auf der Identifizierung des Nutzers basiert).
Warum ist Google zurückgerudert?
Das Projekt stieß auf eine doppelte Einschränkung, die selten so frontal zusammenkam: Einerseits fürchteten die britischen Wettbewerbsbehörden (CMA), dass die Abschaffung der Drittanbieter-Cookies Googles dominante Stellung im Online-Werbemarkt weiter stärken könnte; andererseits hielt ein grosser Teil des Adtech-Ökosystems die vorgeschlagenen Alternativen für zu komplex oder nicht leistungsfähig genug, um das bestehende Targeting zu ersetzen. Angesichts dieser Blockade zog Google es vor, die technische Architektur aufzugeben, statt sie gegen den Willen seiner Partner und Regulierer durchzusetzen.
Was das konkret für Werbetreibende und Agenturen ändert
- Drittanbieter-Cookies bleiben in Chrome standardmäßig aktiviert: Targeting- und Messstrategien, die darauf basieren, funktionieren technisch weiter, ohne angekündigtes Enddatum.
- Die DSGVO und die Einwilligungsregeln bleiben unabhängig von dieser Entscheidung anzuwenden: Das Ende von Privacy Sandbox ändert nichts an den rechtlichen Verpflichtungen französischer Websites im Umgang mit Cookies.
- Die bereits getätigten Investitionen in die Erhebung von First-Party-Daten (Formulare, Kundenkonten, Newsletter) bleiben relevant: Chrome könnte in Zukunft dennoch neue Einschränkungen einführen, und diese Daten gehören dem Werbetreibenden.
- Publisher und Agenturen, die eine « cookieless »-Welt mit teuren alternativen Lösungen erwartet hatten, können einige Investitionen vorübergehend zurückstellen, ohne sie jedoch komplett aufzugeben.
Für Agenturen, die Mitglieder des Ökosystems Webmarketing & SEO sind, veranschaulicht diese Kehrtwende vor allem die Schwierigkeit, eine Strategie auf einem Zeitplan aufzubauen, der einseitig von einem einzigen Akteur des Tech-Sektors vorgegeben wird. Der beste Schutz bleibt eine Diversifizierung der Datenquellen und der Akquisekanäle, auch für E-Commerce-Websites, die stark vom Werbetargeting für ihre Kundengewinnung abhängen.
Häufige Fragen
Werden Drittanbieter-Cookies 2026 aus Chrome verschwinden ?
Nein. Google hat im Oktober 2025 sein Vorhaben aufgegeben, sie über Privacy Sandbox zu entfernen. Sie bleiben standardmäßig aktiviert, wobei die Einstellung dem Nutzer in den Datenschutzeinstellungen überlassen ist.
Was ist Privacy Sandbox ?
Ein 2019 von Google gestartetes Programm, das Drittanbieter-Cookies durch Technologien ersetzen sollte, die als datenschutzfreundlicher gelten, wie Topics oder Protected Audience. Die Mehrheit dieser Bausteine wurde 2025 gestrichen.
Sollte man weiterhin in First-Party-Daten investieren ?
Ja: Über die Unsicherheit hinsichtlich künftiger Entscheidungen von Google hinaus bleibt die direkte Erhebung von Daten bei Kunden ein strategischer Vermögenswert und ist DSGVO-konform, unabhängig von den technischen Entscheidungen der Browser.
Quellen
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